Andacht

Vater Unser.

Darum bitten, dass der Himmel auf die Erde kommt. Dass es Brot gibt. Täglich. Für alle. Denn mit gesättigtem Magen wird man verzeihlicher – sich selbst gegenüber, und anderen erst recht. Und doch bleibt klar: das Böse gibt es. Gut, wenn uns einer hilft, davon frei zu werden. Mit einer Kraft, die niemand sonst hat. Dann ist kein Unterschied mehr zwischen Himmel und Erde. Herrlich. Und so kann es ewig weitergehen. 

Seit ich als Kind im Kindergottesdienst war, kenne ich das Gebet der Christenheit. Bei meiner Taufe haben es Eltern und Paten für mich gesprochen, und vielleicht spricht es jemand an meinem Sterbebett. Oder bei meiner Beerdigung. Es ist ein Lebensgebet. Für mich schillert es wie ein Edelstein in immer neuen Farben. Wenn ich mit Kindern Bewegungen dazu mache, fühlt es sich sehr lebendig an. Beim Gottesdienst im Pflegeheim lebt das Gebet meist leise auf den Lippen alt gewordener Menschen. Es trägt auch sie mit himmlischer Freude. Als Tischgebet beim Abendmahl ist es genauso festlich wie bei einer Trauung. Kinder haben es am Grab unserer Katze gesprochen, mit Kreuz aus Stöckchen auf dem kleinen Erdhügel im Garten.
 
In Zeiten von Krieg, Not und Armut ist das Vater Unser für mich am stärksten mit der Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Es ist bestimmt kein Zufall, dass diese Bitte im Zentrum steht. Und deswegen werde ich das immer wieder beten, solange ich lebe. Mit allen Christen auf der ganzen Welt. Und ich freue mich, dass die Cuxhavener Tafel e.V. ab September eine mobile Ausgabestelle vor unserem Haus der Kirche anbieten kann. 

 

 

 

 

Ihr und Euer Pastor Stephan Büttner, Nordholz